Heimat- und Geschichtsverein Dornheim 1986 e.V.


Historische Gaststätten Dornheims

Das öffentliche Leben, besonders das Vereinsleben, war früher ohne die Gaststätten nicht denkbar. Gasthäuser, Speisegaststätten, Kneipen, Biergärten waren schon immer Orte der Begegnung und voller Geschichten. Sie sind historische Zeitzeugen und modere Stätten der Begegnung zugleich. Die auf dem Plan eingezeichnet Dornheimer Gaststätten liegen an den vier Dornheimer Hauptstraßen, welche schon seit 1705 im Lageplan vom Geometer Papst bekannt sind.
Dornheim, Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: ODbL


1. „Zur Sonne“ in der Bahnhofstraße 1
Das Gaststättengebäude der Gaststätte „Zur Sonne“ ist zurzeit das älteste bewirtschaftete Gaststättengebäude in Dornheim. Jost Weygandt hatte dort im 17. Jahrhundert eine Hofreite erbaut. Nach 1836 war der neue Besitzer Peter Grimm als Krämer in seinem Spezereigeschäft hier tätig. Grimms Schwiegersohn, der Landwirt Heinrich Schaffner errichtete 1857 das „Gasthaus zur Sonne“. Dessen Sohn erbaute 1901 ein geräumiges Schlachthaus, das auch vom Nachfolger, Schwiegersohn Wilhelm Schilling, gut genutzt wurde. Der neue Besitzer war ab 1936 Georg D. Landau. Die vorhandene Metzgerei mit Schlachthaus wurde von ihm zu einem ländlichen Krämerladen umgebaut. Nach dem Krieg 1945 bis 1957 war das selbst hergestellte Eis der Gaststätte „Zur Sonne“ in Dornheim sehr beliebt. Die Gaststätte „Zur Sonne“ wurde 1957 von Familie Landau geschlossen und - 44 Jahre später - im Jahr 2001 von Familie Nistler wieder eröffnet.

2. „Zum goldenen Lamm“ in der Mainzer Landstraße 3
Seit 1747 wurden in der Scheune von Fam. Löffler eine Gaststätte betrieben. Das Gasthaus „Zum goldenen Lamm“ wurde um die Jahrhundertwende unbenannt und hieß „Grimms Gasthaus “. Vor dem Eingang hing früher ein schmiedeeiserner Wandarm mit einem goldenen Lamm. Zum Gasthaus gehörten früher noch eine Metzgerei, eine Brennerei und eine Pferdewechselstation. Bei Hofjagden kehrte der Großherzog öfters mit seiner ganzen Gefolgschaft in diesem Gasthaus ein. Er wusste die gute Küche sehr zu schätzen und hat sich öfter Speisen einpacken gelassen. Der Gaststättenbetrieb endete 1979, die Metzgerei schloss 2004.

3. „Zur Krone“ in der Mainzer Landstraße 2
Die Gaststätte „Zur Krone“ hieß im Volksmund „Bei Trinkhaus“ und hatte einen geräumigen Saal der gerne für Feiern wie Kerb genutzt wurde. Zum Betrieb gehörte außerdem eine gut gehende Metzgerei. Die Gaststätte „Zur Krone“ war auch Vereinstreffpunkt des Gesangsvereins „Sängerverein Dornheim“. Der „Arbeiterverein Dornheim“ wurde 1870 in der Gaststätte „Zur Krone“ gegründet.

4. „Darmstädter Hof“ in der Gernsheimer Landstraße 3
Einer der fünf Dornheimer Gesangvereine „Sängergruß“ wurde 1908 hier gegründet und war bis 1933 auch Treffpunkt für den Gesangsverein. Der Inhaber, Bäckermeister Ludwig Petermann, betrieb außer dem eine Bäckerei, eine Kohlenhandlung und eine kleine Landwirtschaft mit eigenem Vieh.

5. „Zum Alten Brauhaus“ in der Rheinstraße 12
Seit 1765 betrieb die Fam. Lerch eine eigene Brauerei in Dornheim. Das alten Brauereigebäude wurden 1888 abgerissen und das heutige noch erhaltene Gebäude erbaut. Bis 1919 schenkte man bei "Lerchs" sein eigenes Bier aus, danach das damals sehr bekannte Groß-Gerauer Union Bier.
Der große Tanzsaal im ersten Stock würde sehr rege genutzt wurde, z. B. für den „Lumpenball“, „Tanz in den Mai“ und den „Kerbtanz“, aber auch als Turnraum für die Dornheimer Turner. Ein großes Loch in der Decke ermöglichte turnen am Reck und Barren. Bis 1954 wurden auch Filme eines Wanderkinos im Saal gezeigt.
1879 ließen die Brauereibesitzer Lerch am Schwarzen Berg einen großen Eis- und Bierkeller erbauen, der noch heute - wenn auch anders genutzt - besteht. Der große Eiskeller konnte im Winter mit mehr als 750 Wagen Natureis befühlt werden.
Im Gasthaus „Zum Alten Brauhaus“ wurden sehr viele Dornheimer Vereine gegründet. 1903 der Gesangverein „Liederkranz „(einer von einst 5 selbstständigen Dornheimer Gesangsvereinen), 1906 die „SPD – Dornheim“ und 1986 der „Heimat- und Geschichtsverein Dornheim“.

6.„ Zum weißen Roß“ in der Georgstraße 4
Die Gaststätte wurde von 1906 bis 1956 betrieben. Bekannt war diese Gaststätte als „Geilsmetzjers“, weil dort anfangs auch Pferdefleisch verkauft wurde. Geschlachtet wurde es jedoch dort nicht. Das Lokal diente zeitweise auch als Übungsstätte für einen Gesangverein; regelmäßig jedoch trafen sich hier die „Samariter“ eine Art Vorläufer des „Dornheimer Roten Kreuzes“.

7. „Zum Anker“ in der Gernsheimer Landstraße 12
Einer der Inhaber der Gaststätte mit Kegelbahn war der Bürgermeister Metzger. Von 1903 bis 1933 war das Gasthaus Vereinstreffpunkt des „Gesangsvereins Frohsinn“. Das Gasthaus schloss noch vor dem Zweiten Weltkrieg.

8.„Zum Schwanen“ in der Gernsheimer Landstraße 22
Die Gastwirtschaft wurde am 23.03.1897 von Fam. Schneiker gegründet und später von der Fam. Skala betrieben. Einer der fünf Dornheimer Gesangvereine „Frohsinn“ wurde 1898 hier gegründet und die Gaststätte war bis 1903 auch Vereinstreffpunkt des Gesangsvereins. In den Dreißiger Jahren war das Lokal Treffpunkt für die RAD-Leute vom Schwarzen Berg und von 1947 bis 1961 Vereinslokal für die Dornheimer Fußballer. Der Dornheimer Spielmannszug probte lange Zeit hier.
Der bekannte Sudentendeutsche Künstler Ernst J. K. Strahl, geb. 1920 hat an den Wänden der Wirtsstube einige Menschen- und Tierbilder angefertigt. Weitere Werke Strahls schmücken die Riedhalle; z. B. die „Drei Grazien“.

9. „Zur Eisenbahn“ in der Bahnhofstraße 28
Die Gaststätte „Zur Eisenbahn“ hieß im Ort auch „Beim Schreiber“ oder „Beim Schreiber, Peter“. Das Dornheimer Arbeitsdienstlager auf dem Schwarzen Berg wurde von Arbeitern erbaut, die beim „Schreiber, Peter“ wohnten. Im Krieg waren hier französische Kriegsgefangene untergebracht. Nach Kriegsende 1945 fanden in dieser Gaststätte viele Wirtschafsfachkräfte aus Thüringen und Sachsen mit ihren Familien eine erste Unterkunft und Verpflegung. Zur Gaststätte gehörte ein geräumiger Tanzsaal, der ab 1954 als Kinosaal genutzt wurde. Der Gaststättenbetrieb endete 1980.

10. „Görlichs Gaststätte“ in der Bahnhofstraße 32
Laut einer Urkunde vom 17. September 1836 hat der „Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Großgerau“ im Schloss Dornberg ein Gewerbepatent für eine Schankerlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft für Wilhelm Görlich ausgestellt. Von einem tatsächlichen Gaststättenbetrieb ist jedoch nichts überliefert oder bekannt.

11. „Zum goldenen Stern“ in der Bahnhofstraße 92
Das Lokal war 1919 Gründungsstätte und bis zum 22. April 1933 Vereinstreffpunkt des Vereins „Vorwärts – Freie Turn- und Sängervereinigung“. Neben dem Lokal gab es einen Saal mit einer Bühne, die z. B. auch für Theateraufführungen von Vereinen genutzt wurde. Im Saal gab es auch eine Kegelbahn.