Heimat- und Geschichtsverein Dornheim 1986 e.V.

Grimms Gasthaus und die Metzgerei Kullmann

Über „Grimms Gasthaus und die Metzgerei Kullmann“ ging es am Samstag 12. April 2014 bei der Veranstaltung “HGV im Gespräch“, zu der der Heimat- und Geschichtsverein Dornheim eingeladen hatte. Über 30 TeilnehmerInnen waren der Einladung gefolgt. Besonders erfreut war der Vorsitzende Meinhard Semmler über den Gast Günter Grimm aus Mühltal, dessen Großvater aus Grimms Gasthaus stammt und Uhrmacher in Darmstadt Eberstadt war. Von Günters Mutter, Gretel Grimm, die er mehrfach besuchte, hatte Semmler noch wertvolle Informationen zur Familiengeschichte erhalten, bevor sie 2011 (im Alter von 96 J.) verstarb. Auch Willi Kullmann wurde besonders begrüßt und trug durch Ergänzungen zu seinem Elternhaus und manch lustige Anekdote zur Erheiterung aller bei.
Grimms Gasthaus im Jahre 1916
In seinem illustrierten Vortrag ging Meinhard Semmler zunächst auf Inhalt und Bedeutung eines Zunftbriefs aus dem Jahr 1786 ein, der bis zur Schließung des Gasthauses im Jahr 1979 in der vorderen Gaststube hing. Dieser belegt, dass mit Heinrich Philipp Grimm I. die Metzgerei dort begann und zu Recht 1986 das 200 jährige Geschäftsjubiläum gefeiert werden konnte. Die vier Generationen Heinrich Philipp Grimm wurden mit ihren familiengeschichtlichen Besonderheiten detailliert vorgestellt und die wirtschaftlichen Veränderungen beschrieben. Anfangs hieß die Gaststätte „Zum goldenen Lamm“ und neben Landwirtschaft, Gaststätte und Metzgerei gab es dort auch eine Branntweinbrennerei. Den Beruf des Brenners konnte man dort erlernen. Auch über die Einkehr der Großherzöge mit ihren Jagdgesellschaften dort und über Ereignisse bei den regelmäßigen Hoftreibjagden in den Wäldern um Dornheim konnte Semmler Interessantes berichten.
Die etwa 30 Teilnehmer verfolgen
den Erzählungen von Meihnard Semmler
Von links: Günter Grimm, Willi Kullmann
und Meinhard Semmler
Da der Sohn von Heinrich Philipp Grimm IV. einen technischen Beruf erlernte, übernahm die Tochter Emilie Grimm Gaststätte und Metzgerei, nachdem sie Johann Kullmann aus Büttelborn geheiratet hatte. Ihr Sohn und Metzgermeister Walter Kullmann kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück. Die Familie erfuhr von seinem Todesort in Polen erst im Jahr 2004. Das war im gleichen Jahr als die Metzgerei Kullmann geschlossen wurde. Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau heiratete Johann Kullmann Berta Krumb verwitwete Becker, die sich als tüchtige Geschäftsfrau erwies. Mit dem gemeinsamen Sohn Hans Kullmann hat sie noch das Nebengebäude 1995 komplett umbauen und modernisieren lassen. Besonders hervorgehoben wurden auch Berta Kullmanns Kontakte zu dem jüdischen Mitbürger Werner Bendorf, der nach der Pogromnacht 1838 mit seiner Familie Dornheim verlassen hatte und 1985 zur Goldenen Konfirmation seine Mitschüler(innen) in Dornheim besuchte, obwohl seine Eltern Opfer des Holocaust wurden.
Am Ende des anregenden und durch Bilder und Dokumente anschaulichen Vortrags, der sehr vielfältige Themen zur „Lokal-Geschichte“ lebendig werden ließ, wurde noch das aktuelle Bild des Monats gemeinsam besprochen.