Heimat- und Geschichtsverein Dornheim 1986 e.V.

History - Tour 2009:
Historische Gaststätten Dornheims

Im Rahmen der History - Tour 2009: „Lokal-Geschichte“ mit MdB Gerold Reichenbach am 06. August 2009 in Dornheim ab 18.00 Uhr erläuterte Referenten Werner Appel den Orts- und Gaststättenrundgang durch Dornheim.
Zuerst wurden vor dem Gasthaus „Zum Alten Brauhaus“ von Gerold Reichenbach die historischen Hintergründe dafür erläutert, dass es auch in kleinen Dörfern früher sehr viele Gaststätten gab. Das öffentliche Leben, besonders das Vereinsleben, war früher ohne die Gaststätten nicht denkbar. Gasthäuser, Speisegaststätten, Kneipen, Biergärten waren schon immer Orte der Begegnung mit Geschichte und voller Geschichten. Sie sind historische Zeitzeugen und modere Stätten der Begegnung zugleich. Der Dornheimer Gastronomierundgang führte durch die vier Dornheimer Hauptstraßen, die bereits im Lageplan von Geometer Papst 1705 verzeichnet waren. Zehn historische Gaststätten in der Rheinstraße, Gernsheimer Landstraße, Mainzer Landstraße und Bahnhofstraße standen auf dem Programm des Rundgangs. Solche Gasthäuser wie z.B. das Gasthaus „Zum Alten Brauhaus“ oder das Gasthaus „Zur Sonne“ in Dornheim überdauerten die Jahrhunderte und laden uns noch heute zur Begegnung und zum Geschichte(n)-Erzählen ein.
Startpunkt des Rundganges war die Gaststätte „Zum Alten Brauhaus“ in der Rheinstraße, eines der ältesten Gasthäuser Dornheims.

„Zum Alten Brauhaus“ in der Rheinstraße 12
Inhaber: Fam. Lerch (schon über mehrere Generationen).

Die alten Brauereigebäude (bereits 1765 wurde von Fam. Lerch eine eigene Brauerei in Dornheim errichtet) wurden 1888 abgerissen und das heutige Gebäude erbaut. Die neu erbaute Brauerei wurde nur ca. 30 Jahre bis ca. 1919 genutzt, danach wurde das damals sehr bekannte Groß-Gerauer Union Bier ausgeschenkt.
Die Gaststätte verfügt im ersten Stock über einen sehr großen Tanzsaal (manchmal über 300 Besucher) der früher sehr rege genutzt wurde. z. B. für:
„Lumpenball“, „Tanz in den Mai“ und „Kerbtanz“, um nur einige zu nennen.
Der große Tanzsaal diente früher auch als Turnraum für die Dornheimer Turner. Es gab ein großes Loch in der Decke, damit auch am Reck und Barren geturnt werden konnte. Bis 1954 wurden auch Filme eines Wanderkinos im Saal gezeigt.
1879 ließen die Brauereibesitzer Lerch am Schwarzen Berg einen großen Eis- und Bierkeller erbauen, der noch heute - wenn auch anders genutzt - besteht. Der große Eiskeller konnte im Winter mit mehr als 750 Wagen Natureis befüllt werden.
Im Gasthaus „Zum Alten Brauhaus“ wurden sehr viele Dornheimer Vereine gegründet. 1903 der Gesangverein „Liederkranz „(einer von einst 5 selbstständigen Dornheimer Gesangsvereinen), 1906 die „SPD – Dornheim“ und 1986 der „Heimat- und Geschichtsverein Dornheim“. Der „Dornheimer Spielmannszug“ trifft sich dort im Saal zu den Übungsstunden.

„ Zum weißen Roß“ in der Georgstraße 4
Inhaber: Familie Rückert

Die Gaststätte wurde von 1906 bis 1956 dort betrieben. Bekannt war diese Gaststätte als „Geilsmetzjers“, weil dort anfangs auch Pferdefleisch verkauft wurde. Geschlachtet wurde es jedoch dort nicht. Das Lokal diente zeitweise auch als Übungsstätte für einen Gesangverein; regelmäßig jedoch trafen sich hier die „Samariter“ eine Art Vorläufer des „Dornheimer Roten Kreuzes“.

„Zum Schwanen“ in der Gernsheimer Landstraße 22
Inhaber: Fam. Gölzenleuchter und später Fam. Skala

Die Gastwirtschaft wurde am 23. 03. 1897 von Fam. Schneiker gegründet. Einer der fünf Dornheimer Gesangvereine „Frohsinn“ wurde 1898 hier gegründet und die Gaststätte war bis 1903 auch Vereinstreffpunkt des Gesangsvereins „Frohsinn“.
"Zum Schwanen"
In den Dreißiger Jahren war das Lokal Treffpunkt für die RAD-Leute vom Schwarzen Berg. “Zum Schwanen“ war von 1947 bis 1961 Vereinslokal für die Fußballer. Der Dornheimer Spielmannszug probte lange Zeit hier.
Der bekannte Sudentendeutsche Künstler Ernst J. K. Strahl, geb. 1920 (lebte bis 1945 in Prag), der ein guter Bekannter von Franz Skala war, hat an den Wänden der Wirtsstube einige Menschen- und Tierbilder angefertigt. Weitere Werke Strahls schmücken die Riedhalle; z. B. die „Drei Grazien“.
„Zum Anker“ in der Gernsheimer Landstraße 12
Inhaber: Fam. Metzger

Einer der Inhaber war der Bürgermeister Metzger. Von 1903 bis 1933 war das Gasthaus „Zum Anker“ Vereinstreffpunkt des „Gesangsvereins Frohsinn“. Dort gab es auch eine Kegelbahn. Das Gasthaus „Zum Anker“ schloss noch vor dem Zweiten Weltkrieg.

„Darmstädter Hof“ in der Gernsheimer Landstraße 3
Inhaber: Fam. Petermann

Einer der fünf Dornheimer Gesangvereine „Sängergruß“ wurde 1908 hier gegründet und dieses Lokal war bis 1933 auch Treffpunkt für den Gesangsverein „Sängergruß“. Der Inhaber, Bäckermeister Ludwig Petermann, betrieb außer der Gastwirtschaft „Darmstädter Hof“ eine Bäckerei, eine Kohlenhandlung und mit eigenem Vieh eine kleine Landwirtschaft.

„Zur Krone“ in der Mainzer Landstraße 2
Inhaber: Fam. Metzger

Die Gaststätte „Zur Krone“ wurde genannt „Bei Trinkhaus“ und hatte einen geräumigen Saal der z. B. gern für Feiern wie Kerb genutzt wurde. Zum Betrieb gehörte außerdem eine gut gehende Metzgerei.Die Gaststätte „Zur Krone“ war auch Vereinstreffpunkt des Gesangsvereins „Sängerverein Dornheim“ (erste Erwähnung 1844). Der „Sängerverein Dornheim“ löste sich 1919 auf. Der „Arbeiterverein Dornheim“ wurde 1870 in der Gaststätte „Zur Krone“ gegründet.

„Zum goldenen Lamm“ in der Mainzer Landstraße 3
Inhaber: Fam. Grimm und später Fam. Kullmann.

Die Scheune wurde 1747 von Fam. Löffler erbaut. Das „neuere“ Gaststättengebäude direkt an der Straße wurde 1797 von Fam. Grimm erstellt. Das große Nebengebäude ließ 1815 ebenfalls Fam. Grimm erbauen (siehe Inschrift: H. Ph. Grimm 1815). Das Gasthaus „Zum goldenen Lamm“ wurde um die Jahrhundertwende unbenannt und hieß „Grimms Gasthaus “. Vor dem Eingang hing früher ein schmiedeeiserner Wandarm mit einem goldenen Lamm. Zu „Grimms Gasthaus“ gehörten früher noch eine Metzgerei, eine Brennerei und eine Pferdewechselstation. Bei Hofjagden kehrte der Großherzog öfters mit seiner ganzen Gefolgschaft in diesem Gasthaus ein.Er wusste die gute Küche sehr zu schätzen und hat sich auch mehrmals Speisen einpacken gelassen. Der Gaststättenbetrieb endete 1979, die Metzgerei schloss 2004.

„Zur Eisenbahn“ in der Bahnhofstraße 28
Inhaber: Fam. Dechert

Die Gaststätte „Zur Eisenbahn“ hieß im Ort auch „Beim Schreiber“ oder „Beim Schreiber, Peter“. Das Dornheimer Arbeitsdienstlager auf dem Schwarzen Berg wurde von Arbeitern erbaut, die beim „Schreiber, Peter“ wohnten. Im Krieg waren hier französische Kriegsgefangene untergebracht. Nach Kriegsende 1945 fanden in dieser Gaststätte viele Wirtschafsfachkräfte aus Thüringen und Sachsen mit ihren Familien eine erste Unterkunft und Verpflegung. Zur Gaststätte gehörte ein geräumiger Tanzsaal, der ab 1954 als Kinosaal genutzt wurde. Der Gaststättenbetrieb endete 1980.

„Görlichs Gaststätte“ in der Bahnhofstraße 32
Inhaber: Fam. Görlich

Laut einer im Original gezeigten Urkunde vom 17. September 1836 hat der „Großherzoglich Hessische Kreisrath des Kreises Großgerau“ im Schloss Dornberg ein Gewerbepatent für eine Schankerlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft für Wilhelm Görlich ausgestellt. Von einem tatsächlichen Gaststättenbetrieb ist jedoch nichts überliefert oder bekannt.
„Görlichs Gaststätte“
Urkunde
„Zum goldenen Stern“ in der Bahnhofstraße 92
Inhaber: Fam. Krumb

Das Lokal war 1919 Gründungsstätte und bis zum 22. April 1933 Vereinstreffpunkt des Vereins „Vorwärts – Freie Turn- und Sängervereinigung“. Neben dem Lokal gab es einen Saal mit einer Bühne, die z. B. auch für Theateraufführungen von Vereinen genutzt wurde. Im Saal gab es auch eine Kegelbahn.

„Zur Sonne“ in der Bahnhofstraße 1
Inhaber: Fam. Schaffner, Fam. Landau und Fam. Nistler

Das Gaststättengebäude der Gaststätte „Zur Sonne“ ist zurzeit das älteste bewirtschaftete Gaststättengebäude von Dornheim. Es ist schon im Lageplan von 1705 verzeichnet. Jost Weygandt hatte dort im 17. Jahrhundert seine Hofreite (Wohnhaus, Stall und Scheune) erbauen lassen. Nach 1836 war der neue Besitzer Peter Grimm als Krämer in seinem Spezereigeschäft hier tätig. Grimms Schwiegersohn, der Landwirt Heinrich Schaffner errichtete 1857 das „Gasthaus zur Sonne“. Dessen Sohn erbaute 1901 ein geräumiges Schlachthaus, das auch vom Nachfolger, Schwiegersohn Wilhelm Schilling, gut genutzt wurde. Der neue Besitzer war ab 1936 Georg D. Landau. Die vorhandene Metzgerei mit Schlachthaus wurde von ihm zu einem ländlichen Krämerladen umgebaut. Nach dem Krieg 1945 bis 1957 war das selbst hergestellte Eis der Gaststätte „Zur Sonne“ in Dornheim sehr beliebt. Die Gaststätte „Zur Sonne“ wurde 1957 von Familie Landau geschlossen und - 44 Jahre später - im Jahr 2001 von Familie Nistler wieder eröffnet.

Der bei heißem Wetter durchgeführte Rundgang, endete bei kühlen Getränken und köstlichen Speisen im Biergarten der Gaststätte „Zur Sonne“.