Heimat- und Geschichtsverein Dornheim 1986 e.V.

Austellung:
"Den Namen ein Gesicht und eine Geschichte geben"

161 Namen sind auf dem Mahnmal des Dornheimer Friedhofs verewigt. Im Zweiten Weltkrieg gefallen, vermisst oder durch den amerikanischen Beschuss des Ortes 1945 getötet. Eine Ausstellung in der Kirche gibt den Namen ein Gesicht.
„Wer hat um diese Menschen getrauert?“, fragte sich Meinhard Semmler, stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Dornheim (HGV), irgendwann beim Anblick des Gedenksteines. Zweieinhalb Jahre hat er recherchiert.
Er hat Verwandte besucht und mit ehemaligen Nachbarn gesprochen, die noch in Dornheim leben. Hat Menschen angeschrieben, die der Krieg oder andere Umstände aus Dornheim weggeführt haben, darunter eine Frau, die heute in Kanada lebt.
Meinhard Semmler (g.r.) und Besucher
Mahnmal am Dornheimer Friedhof

Das Ergebnis seiner Recherchen ist beachtlich. Von 150 Opfern konnte Semmler Fotos auftreiben, Auskünfte zu ihrem Leben erhalten.

70 Jahre nach Kriegsbeginn mache der Volkstrauertag „für mich Sinn als ein Tag der Mahnung zum Frieden und zur Versöhnung der Völker“, sagte Semmler in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung am Samstag. Im Zeichen dieser Mahnung steht die Ausstellung, die in drei Teile gegliedert ist.
Der erste Teil „Kon-Texte“ liefert Hintergrundinformationen, etwa zum Bombenkrieg oder zur Wende in Stalingrad. Diese Informationen ergänzte Semmler mit Texten von Brecht oder Tolstoi. Der zweite und dritte Teil widmet sich den Getöteten und Vermissten. „Es ist sehr beeindruckend, diese Kurzbiografien zu lesen“, bemerkte der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Will. Das liegt vor allem daran, dass Semmler die Ausstellung sehr zurückhaltend gestaltet hat: Schlichte Tafeln, ein paar Bilder und einige Worte genügen, um die Besucher zu berühren.
Die Austellung wird von Jung
und Alt besucht.
Außerdem hat er außer biografischen Daten zusätzliche Informationen erhalten, die den Menschen auf den Bildern Leben verleihen. Sie waren bei der Feuerwehr, spielten Trompete, oder hatten einen Spitznamen. Balthasar Schneider wurde in Dornheim „Mehlbalser“ genannt, weil er in der Groß-Gerauer Mühle arbeitete. Er starb am 23. März 1945 als einer von drei Zivilisten beim amerikanischen Beschuss. Auch seine 15 Jahre alte Tochter Anni kam an diesem Tag ums Leben. Die Besucher können und sollen sich von den Geschichten hinter den Namen anrühren lassen, sagte Pfarrerin Eva-Maria Bernhard. „Das hier rückt einem sehr nahe.“
Das Projekt sei noch nicht ganz abgeschlossen, erklärte Semmler. Es gebe noch kleinere Lücken zu schließen. Dabei hofft er wieder auf die Unterstützung der Dornheimer. Auch sei geplant, bei entsprechendem Interesse einen Bildband zur Ausstellung herauszugeben.

Als Geschichtslehrer befasste sich Semmler oft mit den großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Mit der Ausstellung „Wunden, die der Krieg geschlagen“ hat er denen ein Gesicht gegeben, die nicht in Geschichtsbüchern auftauchen.

Quelle: Echo-Online
Bilder: HGV Dornhneim