Heimat- und Geschichtsverein Dornheim 1986 e.V.

Die römische Binnenschifffahrt

Am Donnerstag, den 17. April 2008 besuchten Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Dornheim 1986 e.V. im Stadtmuseum Groß-Gerau, Am Marktplatz 3, 64521 Groß-Gerau den Vortrag "Treideln, segeln, rudern... Binnenschifffahrt im Imperium Romanum".
Die zahlreichen Besucher wurden vom dem 1. Vorsitzenden des Vereins terraplana - Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried e.V. Herrn Thomas Maurer begrüßt.
Der Referent des Vortrages Hauptkonservator Dr. Ronald Bockius ist Leiter des Forschungsbereichs Antike Schifffahrt am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM Mainz) und ein sehr guter Kenner von römerzeitlichen Schiffen.
In dem sehr bilderreichen Vortrag wurde versucht einen Einblick in die römische Binnenschifffahrt, neben dem Fluss Tiber, auch auf den Flüssen der nördlichen Grenzprovinzen (dem Rhein, der Mosel und der Donau) zu geben.

Es gab auch römische Binnenschifffahrt im Ried, vielleicht geht der Landgraben auf einen Kanal zur Versorgung des Kastells in Groß-Gerau zurück!

Es gibt viele Funde von "kanuartigen Frachtbooten der römerzeitlichen Binnenschifffahrt", die zum Teil sehr gut erhalten sind.

Bei den bildlichen Überlieferungen von Wasserfahrzeugen, sind fast immer die gleichen Typen antiker Boote und Schiffe zu erkennen.
Es gibt zum Glück aber auch viele Sekundärquellen:
1. Okeanos - Mosaik -- Bad Kreuznach
2. Grabstele -- Metz
3. Relief -- Jünkerath
4. Igelersäule -- Igel / Mosel

Die vielen Funde, von Teils vorzüglich erhaltenen Wracks größerer römerzeitlicher Plattbodenschiffe (schiffsarchäologische Primärquellen) sind vielfach Gallorömische Frachtfahrzeuge prahmartigen Typs.
Diese Frachtschiffe hatten bis zu 40 m Länge und konnten bei ca. 50 cm Tiefgang ca. 65 Tonnen Fracht laden. Bedeutende Funde dieser großer Binnenfahrzeuge gibt es z.B. in:
1. Zwammerdam / NL
2. De Meern / NL
3. Lyon
4. Mainz -- Für das Wrack Nr.: 6 in Mainz wurde das Holz 89 n. Chr. geschlagen.

Es gibt hier auch für diesen Typ viele Sekundärquellen:
1. Reliefbloch mit Ruderen -- Köln
2. Mosaik -- Bad Kreuznach
3. Blussus - Stele -- Mainz

Die römische antike Binnenschifffahrt war ein wichtiger Teil zur Überwachung der Grenzen des römischen Reiches. Die Versorgung der Truppen in den Kastellen wurde ebenfalls zum Teil durch die römische Binnenschifffahrt sichergestellt. Die großen römischen Bauten wären ohne die römische Binnenschifffahrt fast unmöglich gewesen. Als Beispiele wurden mehrere rekonstruierte Transportereignisse vorgestellt:
1. Bei spätantiken Trierer Baumaßnahmen wurden mindestens vier Felssäulen von jeweils ca. 30 Tonnen aus dem Steinbruch vom Felsberg nach Trier gebracht.
2. Die antike Römerbrücke in Trier wurde mit ca. 18.000 Tonnen Felsmaterial aus einem Steinbruch bei Andernach erbaut. Auf dem Landweg wären dass, mit den damaligen Frachtfahrzeugen über 6.000 Fahrten, was sehr unwahrscheinlich ist. Mit den damaligen römischen Binnenschiffen "nur noch" ca. 275 bis 950 Frachten.
3. Die 23 oder mehr bis zu 650 Tonnen schweren ägyptischen Obelisken in Rom wurden, zumindest die letzte größere Wegstrecke auf dem Tiber, mit römischen Binnenschiffen vom Meer nach Rom transportiert.